Wanderung von Poltringen nach Oberndorf

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„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit“ – so könnte man die Halbtageswanderung am vergangenen Sonntag überschreiben, als eine Gruppe von 22 Wanderlustigen unter der Führung von Elisabeth Bauer sich auf den Weg machte. Wir starteten von der barocken Poltringer Stefanskirche mit ihrem markanten, weithin sichtbaren Zwiebelturm, nahe der Ammer und machten uns auf den Kirchweg, den die Oberndorfer im Mittelalter zurückzulegen hatten. Nachdem wir bei strahlendendem Sonnenschein den Gang durch üppige Getreidefelder zurückgelegt hatten, und wir physisch die Mühen des langen Kirchweges erfahren hatten, da war uns klar, warum damals im frühen 15. Jahrhundert die Oberndorfer eine eigene Kirche haben wollten.

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Im kühlen Inneren der dortigen St. Ursula-Kirche erläuterte uns Prof. Dr. Peter Hünermann nicht nur kenntnisreich und detailliert den wunderbaren Schnitzaltar, sondern berichtete auch über die Siedlungsgeschichte der Gegend seit den Römern und Alemannen, die verwaltungsmäßige Zergliederung nach der Reformation in vorderösterreichische katholische Gebiete sowie württembergisch-protestantische. 

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Außerdem zeigte er uns architektonische Besonderheiten und weitere Ausstattungsstücke der Kirche, wie z. B. die feine Bemalung des Chorgewölbes mit Ranken, Blüten und Früchten des Weinstocks und im Altarbereich mit Akeleien und erläuterte deren symbolische Bedeutung. Das spätgotische Tabernakel, ein Prozessionskruzifix und die kleine Bruder-Klaus-Kapelle im Erdgeschoss des Turmes waren weitere Gegenstände der hochinteressanten Führung.

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Wenige Schritte von der Kirche entfernt ist die Wette, ein Teich, der von einer Quelle oberhalb der Kirche gespeist wird. Früher diente sie als Viehtränke, heute ist sie immer noch Löschwasserteich. Einmal im Jahr ist sie Schaupatz eines nasskalten Spektakels: am 13. Januar werden die neuen Oberndorfer Narren in der Wette getauft.

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Wir gingen weiter in die „Sonne“ zu Kaffee und Kuchen, wo uns dann Herr Hartmann die Konzeption des Solarzentrums erläuterte.

 

Inzwischen hatte sich der Himmel bewölkt, sodass wir den Rückweg bei angenehmen Temperaturen genießen konnten, mit weiter Sicht auf den südlichen Schönbuchrand von Herrenberg bis Tübingen und die „blaue Mauer“ der Schwäbischen Alb.